{"id":147,"date":"2023-06-26T21:03:19","date_gmt":"2023-06-26T21:03:19","guid":{"rendered":"https:\/\/orte-der-geografie.ch\/?page_id=147"},"modified":"2023-10-11T16:02:23","modified_gmt":"2023-10-11T16:02:23","slug":"engehalbinsel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/orte-der-geografie.ch\/?page_id=147","title":{"rendered":"Engehalbinsel"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/orte-der-geografie.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/12_Engehalbinsel.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Aufschlussreiche B\u00f6den: Einblicke in die Natur- und Kulturentwicklung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Engehalbinsel wird im Nordosten der Stadt Bern von der Aare umschlungen. Die strategisch g\u00fcnstige Lage haben bereits vor \u00fcber 2\u2019000 Jahren die Kelten erkannt, die hier eine Siedlung errichteten. Ausgrabungen belegen, dass auch die R\u00f6mer hier wirtschafteten, was auf einem arch\u00e4ologischen Lehrpfad vertieft wird. Mittlerweile ist die Engehalbinsel weitgehend bewaldet und lockt zahlreiche Spazierg\u00e4nger, Jogger und Naturfreunde an. Ein Bodenlehrpfad offeriert hierbei auch Einblicke in die Landschafts- und Bodenentwicklung in und um Bern. B\u00f6den erf\u00fcllen zahlreiche Funktionen f\u00fcr die Natur und den Menschen. Sie erm\u00f6glichen die Produktion von Nahrungsmitteln und Holz, sind Lebensraum unz\u00e4hliger Lebewesen, sind Wasser- und Kohlenstoffspeicher und dienen als Archiv der Umweltentwicklung. Doch die Bildung von Boden aus verwitterten Gesteinsteilchen und organischer Substanz ben\u00f6tigt viele hunderte Jahren, wie im Bodenlehrpfad \u00abBerner B\u00f6den\u00bb ersichtlich wird.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Landschaftsentwicklung<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Den geologischen Sockel der Engehalbinsel bilden ca. 20 Millionen Jahre alte Molassegesteine. Dar\u00fcber liegen teils mehrere Meter m\u00e4chtige eiszeitliche Schotter, die w\u00e4hrend der letzten 20&#8217;000 Jahre von der Aare ablagert wurden. Spaziert man von vom h\u00f6chsten Punkt der Engehalbinsel hinab zur Aare, bemerkt man mehrere Ebenen. Diese Flussterrassen entstanden \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume, in denen sich die Aare immer tiefer in die Landschaft einschnitt.&nbsp; Die h\u00f6chsten Ebenen wurden vor 20&#8217;000 bis 18&#8217;000 Jahren gebildet, als im Berner Stadtgebiet noch ein grosser Gletscher lag. Die Ebene am Keltenwall oberhalb des Zehenderm\u00e4ttelis entstand dagegen erst vor 14&#8217;000 Jahren. Zu dieser Zeit wurden weite Landschaften im Mittelland von B\u00e4umen besiedelt und dadurch stabilisiert. Die Ebenen ganz unten an der Aare sind dementsprechend am j\u00fcngsten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Bodenentwicklung<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auf stabilen Landoberfl\u00e4chen siedeln zun\u00e4chst Pionierpflanzen. \u00dcber Jahrzehnte bis Jahrhunderte, wird der Untergrund durchwurzelt, von Organismen durchw\u00fchlt und zunehmend mit Humus vermischt. In durchl\u00fcfteten B\u00f6den oberhalb des Grundwasserspiegels f\u00fchrt die immer weiter fortschreitende Verwitterung zur Bildung brauner B\u00f6den. Weil die Bodenprofile der Engehalbinsel auf unterschiedlich alten Flussterrassen liegen kann man auf kurzer Distanz unterschiedliche Entwicklungsstufen von B\u00f6den beobachten. Nahe der Aare, am Zehenderm\u00e4tteli (EH1) und an der F\u00e4hre nach Reichenbach (EH6), bestehen die B\u00f6den aus Aaresanden vermengt mit Humus. Sie sind aufgrund der kurzen Bildungsdauer (wenige 100 Jahre) kaum verwittert. Der 14&#8217;000 Jahre alte Boden nahe des Keltenwalls (EH2) zeigt durch die braune Farbe und eine h\u00f6here Bindigkeit des Bodenmaterials eine fortgeschrittene Verwitterung an. Die restlichen Bodenprofile (EH3-EH5) liegen noch h\u00f6her, auf einer ca. 18&#8217;000 Jahre alten Terrasse. Die B\u00f6den sind hier bereits \u00fcber einen Meter m\u00e4chtig und ebenfalls braun gef\u00e4rbt. Auff\u00e4llig ist hier, dass der untere Teil des Bodens r\u00f6tlicher und bindiger ist, was durch die Einwaschung von Eisenoxiden und Tonen zu erkl\u00e4ren ist. Im Bodenprofil nahe des r\u00f6mischen Bads (EH4) gibt es eine St\u00f6rung im Bodenaufbau. Diese entstand vermutlich durch Umgrabungsarbeiten vor ca. 2&#8217;000 Jahren ist bis heute sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"975\" src=\"https:\/\/orte-der-geografie.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Bild3-1024x975.png\" alt=\"Der Aaregletscher vor etwa 19'000 Jahren\" class=\"wp-image-174\" srcset=\"https:\/\/orte-der-geografie.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Bild3-1024x975.png 1024w, https:\/\/orte-der-geografie.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Bild3-300x286.png 300w, https:\/\/orte-der-geografie.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Bild3-768x731.png 768w, https:\/\/orte-der-geografie.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Bild3.png 1454w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Aaregletscher vor etwa 19&#8217;000 Jahren (Abbildung: Tobias Sprafke)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"835\" height=\"486\" src=\"https:\/\/orte-der-geografie.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bild4.png\" alt=\"Landschaftsquerschnitt der Engehalbinsel\" class=\"wp-image-149\" srcset=\"https:\/\/orte-der-geografie.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bild4.png 835w, https:\/\/orte-der-geografie.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bild4-300x175.png 300w, https:\/\/orte-der-geografie.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bild4-768x447.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 835px) 100vw, 835px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Landschaftsquerschnitt der Engehalbinsel<\/em>. <em>Gut sichtbar sind die verschiedenen Flussterrassen. Jahreszahlen sind angegeben in kilo-Jahren (1 ka = 1&#8217;000 Jahre) (Abbildung: Tobias Sprafke<\/em>)<em>.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"292\" height=\"211\" src=\"https:\/\/orte-der-geografie.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bild5.png\" alt=\"Foto und Profilskizze der Parabraunerde EH5 des Bodenlehrpfads mit bodenkundlichen Horizontbezeichnungen.\" class=\"wp-image-150\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Foto und Profilskizze der Parabraunerde EH5 des Bodenlehrpfads mit bodenkundlichen Horizontbezeichnungen. Ah: mit Humus angereicherter Oberboden. E (eluvial): Von der Auswaschung von Tonmineralen gepr\u00e4gter Horizont. It (illuvial, tonangereichert): von der Einwaschung von Tonmineralen gepr\u00e4gter Horizont. Ck: von Kalkeinwaschungen gepr\u00e4gter Untergrund.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Quellen und weiterf\u00fchrende Information<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.berner-boeden.ch\" data-type=\"URL\" data-id=\"www.berner-boeden.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bodenlehrpfad rund um Bern<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufschlussreiche B\u00f6den: Einblicke in die Natur- und Kulturentwicklung Die Engehalbinsel wird im Nordosten der Stadt Bern von der Aare umschlungen. Die strategisch g\u00fcnstige Lage haben bereits vor \u00fcber 2\u2019000 Jahren die Kelten erkannt, die hier eine Siedlung errichteten. Ausgrabungen belegen, dass auch die R\u00f6mer hier wirtschafteten, was auf einem arch\u00e4ologischen Lehrpfad vertieft wird. 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