{"id":98,"date":"2023-06-22T15:20:05","date_gmt":"2023-06-22T15:20:05","guid":{"rendered":"https:\/\/orte-der-geografie.ch\/?page_id=98"},"modified":"2023-06-22T16:12:59","modified_gmt":"2023-06-22T16:12:59","slug":"schuetzenmatte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/orte-der-geografie.ch\/?page_id=98","title":{"rendered":"Sch\u00fctzenmatte"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/orte-der-geografie.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/02_Schuetzenmatte.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Ein Zwischen-Raum als Experimentierfeld und Brennpunkt f\u00fcr soziale Bewegungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Sch\u00fctzenmatte ist ein Zwischen-Raum: zwischen Innenstadt und Bahngeleisen, zwischen Kommerz und Kulturzentrum Reithalle, zwischen B\u00fcrgertum und Randgruppen. Sie ist umringt von Verkehrsachsen, war bis vor kurzem Parkplatz und Car-Terminal, Jahrmarktplatz, ber\u00fcchtigt f\u00fcr Nachtleben, Drogenverkauf und Polizeieins\u00e4tze. Heute ist es ein Experimentierfeld f\u00fcr Stadtb\u00e4ume und Kultur, in Zukunft ein Stadtpark.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen-Raum war die Sch\u00fctzenmatte schon immer. Sie befand sich ausserhalb der Befestigungsanlage, welche in Bern w\u00e4hrend des Dreissigj\u00e4hrigen Krieg errichtet wurde. Sie war zwischen Stadt und Umland, genutzt f\u00fcr Schiess\u00fcbungen. Gleichzeitig verband und verbindet sie Stadt und Umland. Die sp\u00e4teren Nutzungen \u2013 Reitschule, Jahrmarktplatz, Car-Terminal \u2013 unterstreichen diese Funktion.<\/p>\n\n\n\n<p>In den 1830er-Jahren wurde die Befestigung abgebaut. Die Sch\u00fctzenmatte wurde zur Eingangsschneise nach Bern von Norden. Eine erste Eisenbahnbr\u00fccke f\u00fchrte hier \u00fcber die Aare, ab 1930 die Lorrainebr\u00fccke. Das Bollwerk ist neben den Autobahnzubringern heute die meistbefahrene Strasse Berns, L\u00e4rm und Schadstoffbelastung sind hoch. Auch die Hitze ist ein Problem. Der asphaltierte Platz ist eine Hitzefalle (vgl. <a href=\"https:\/\/orte-der-geografie.ch\/?page_id=51\" data-type=\"page\" data-id=\"51\">Ansermetplatz<\/a>). Eine der Strategien dagegen ist das Pflanzen von B\u00e4umen, die Schatten geben und Wasser verdunsten und damit k\u00fchlen. Seit November 2019 testet die Stadt Bern auf der Sch\u00fctzenmatte die Anpflanzung klimaresistenter B\u00e4ume, welche mit l\u00e4ngeren Trockenphasen und heissen Sommern besser zurechtkommen als bisher verwendete Arten.<\/p>\n\n\n\n<p>Angrenzend an die Sch\u00fctzenmatte, hinter der Eisenbahnbr\u00fccke, steht die 1897 gebaute st\u00e4dtische Reitschule. Neben einer grossen Halle f\u00fcr Reitunterricht befanden sich hier St\u00e4lle sowie Schuppen f\u00fcr Kutschen. Nach dem Aufkommen des Automobils wurden die Geb\u00e4ude lange als Lagerraum genutzt. Die Reitschule wurde 1981 kurz und ab 1987 definitiv von Jugendlichen besetzt und ist seither ein alternatives Kulturzentrum. Hier gibt es ein Restaurant, Konzertlokal, Theater, Kino und vieles mehr. Mit dem Frauenraum besteht ein queer-feministischer Raum f\u00fcr Aktivismus, Diskurs, Kultur und Vernetzung. Die Grosse Halle dient f\u00fcr Veranstaltungen, Ausstellungen und Flohm\u00e4rkte. Die Reitschule sieht sich als politisch-soziale Infrastruktur; ein Ort, an dem man sich kritisch mit Stadt und Gesellschaft auseinandersetzt. In der Reitschule werde kollektive Arbeitsformen gelebt, welche faire Arbeitsbedingungen und partizipative Gestaltung gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 1981 ist die Reitschule Brennpunkt der st\u00e4dtisch dominierten Jugendbewegung. Sie ist ein Beispiel f\u00fcr Raumaneignung durch Jugendliche, welche sich den physischen und sozialen Raum als Lebensraum erschliessen. Aneignung (im Gegensatz zu Nutzung) meint, dass sie dem eine neue Bedeutung geben. Er erh\u00e4lt eine sozialisierende Funktion als Ort der Kommunikation und der Selbstdarstellung. Das wird auch sichtbar gemacht. F\u00fcr die Stadt Bern war die Besetzung der Reitschule r\u00fcckblickend eine L\u00f6sung schwelender sozialer Probleme.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"624\" src=\"https:\/\/orte-der-geografie.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bild1-1-1024x624.jpg\" alt=\"Besetzung der Reitschule, Oktober 1987\" class=\"wp-image-99\" srcset=\"https:\/\/orte-der-geografie.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bild1-1-1024x624.jpg 1024w, https:\/\/orte-der-geografie.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bild1-1-300x183.jpg 300w, https:\/\/orte-der-geografie.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bild1-1-768x468.jpg 768w, https:\/\/orte-der-geografie.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bild1-1.jpg 1386w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Besetzung der Reitschule, Oktober 1987 (Berner Zeitung).<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Quellen und weiterf\u00fchrende Information<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bieri, S. (2012) <a href=\"https:\/\/www.transcript-verlag.de\/978-3-8376-1704-7\/vom-haeuserkampf-zu-neuen-urbanen-lebensformen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vom H\u00e4userkampf zu neuen urbanen Lebensformen<\/a>. St\u00e4dtische Bewegungen der 1980er-Jahre aus einer raumtheoretischen Perspektive. Transcript<\/p>\n\n\n\n<p>Stadttouren von B\u00e4rn isch eso:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.baernischeso.ch\/lieblingstouren\/brueckentour\/lorrainebruecke\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Lorrainebr\u00fccke<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.baernischeso.ch\/lieblingstouren\/robert-walser\/schuetzenmatte\" target=\"_blank\">Sch\u00fctzenmatte<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.baernischeso.ch\/lieblingstouren\/jugendtour\/reitschule\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Reitschule<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.baernischeso.ch\/lieblingstouren\/subkultour\/das-dach-der-reitschule\" target=\"_blank\">Das Dach der Reitschule<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Zwischen-Raum als Experimentierfeld und Brennpunkt f\u00fcr soziale Bewegungen Die Sch\u00fctzenmatte ist ein Zwischen-Raum: zwischen Innenstadt und Bahngeleisen, zwischen Kommerz und Kulturzentrum Reithalle, zwischen B\u00fcrgertum und Randgruppen. 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